Was ein menschliches Haar, ein «Mü» und ein heisser Draht mit Mikromechanik zu tun haben.

Wie dünn ist eigentlich ein menschliches Haar? Und was hat ein Styroporschneider mit hochpräziser Metallbearbeitung zu tun?
Genau darum ging es am Gewerbeapéro des Gewerbevereins Cholfirst, für den wir bei der Retero GmbH unsere Türen geöffnet haben. Viele Gäste sind gekommen, und wir wollten ihnen zeigen, womit wir uns jeden Tag beschäftigen: Mikromechanik, Mikrobohrungen, Drahterodieren und Präzision im Bereich von Tausendstel Millimetern.
Nur zuschauen war dabei nicht vorgesehen. Unsere Gäste haben mitgeraten, selbst Hand angelegt und ziemlich oft gestaunt.

Wie dick ist ein menschliches Haar und wie klein geht es noch?

Eingestiegen sind wir mit ein paar Quizfragen. Die erste: Wie dick ist ein menschliches Haar?
Im Durchschnitt hat ein Haar einen Durchmesser von rund 0,07 mm. Für unser Auge ist das schon ziemlich fein. Für uns ist es noch lange nicht die Grenze: Bei Retero fertigen wir Mikrobohrungen mit einem Durchmesser von nur 0,01 mm. Das ist rund siebenmal kleiner als ein Haar.

Anders gesagt: Wäre ein Haar aus Metall, hätten in seinem Querschnitt sieben unserer kleinsten Bohrungen nebeneinander Platz. Spätestens da war das Staunen bei vielen gross.

Was ist ein «Mü»? Der Mikrometer einfach erklärt

Bei der nächsten Frage ging es um ein Wort, das fast alle kennen: «Rutsch mal ein Mü» oder «Da fehlt noch ein Mü Salz». Aber was ist ein Mü eigentlich?
Zur Auswahl standen vier Antworten: der Laut einer Kuh, ein Mikrometer, ein Millionstel Meter und ein Tausendstel Millimeter.

Die Auflösung hat viele überrascht: Drei von vier Antworten sind richtig. Mit «Mü» ist umgangssprachlich ein Mikrometer (µm) gemeint. Und ein Mikrometer ist ein Millionstel Meter oder eben ein Tausendstel Millimeter. Nur die Kuh lag daneben.

Im Alltag steht das Mü für «ein kleines bisschen». Bei uns ist es eine ganz konkrete Masseinheit. Wir arbeiten täglich mit Toleranzen von ±0,001 mm, also mit höchstens einem Mikrometer Abweichung. Dafür braucht es moderne Maschinen, vor allem aber Erfahrung und ein gutes Auge für Details.

Die Mikrobohrung im 5-Räppler: Wer findet sie?

Wie schwer solche Dimensionen mit blossem Auge zu erkennen sind, zeigte unser nächstes Beispiel.
Wir haben eine Mikrobohrung mit 0,05 mm Durchmesser durch das Auge auf einem 5-Räppler gefertigt. Dann bekamen unsere Gäste eine Aufgabe:

«Irgendwo auf diesem 5-Räppler ist eine Mikrobohrung versteckt. Wer findet sie zuerst?»

Obwohl diese Bohrung fünfmal grösser ist als unsere kleinsten, war sie kaum zu sehen. Nur wenige haben die winzige Öffnung auf Anhieb gefunden. Besser lässt sich kaum zeigen, in welchen Grössenordnungen wir bei Retero arbeiten.

Wie funktioniert Drahterodieren? Erklärt mit einem heissen Draht

Neben den Mikrobohrungen wollten wir auch zeigen, wie wir fertigen. Fräsen und Drehen kennen die meisten zumindest vom Namen her. Bei Mikroerosion, Drahterodieren oder Senkerodieren sieht das anders aus. Darunter konnten sich nur wenige spontan etwas vorstellen.

Also haben wir das Drahterodieren mit etwas erklärt, das viele vom Basteln kennen: einem Styroporschneider mit heissem Draht.
Das Prinzip ist ähnlich. So wie der heisse Draht durch das Styropor fährt, bewegt sich beim Drahterodieren ein sehr dünner Draht durch das Werkstück. Der entscheidende Unterschied: Das Metall wird nicht einfach weggeschmolzen. Stattdessen tragen elektrische Entladungen zwischen Draht und Werkstück winzige Mengen Material gezielt ab. So lassen sich auch komplexe Konturen hochpräzise aus elektrisch leitfähigen Werkstoffen herausarbeiten.
Im Modell sieht das einfach aus. In der Praxis steckt dahinter ein Fertigungsprozess, bei dem es auf jeden Tausendstel Millimeter ankommt.

Startlocherodieren zum Ausprobieren: Fingerspitzengefühl gefragt

Danach durften unsere Gäste selbst ran. Die Aufgabe: unseren nur 0,04 mm dünnen Erodierdraht in das vorgefertigte Startloch eines Metallblocks einfädeln.
Klingt einfach, ist es aber nicht. Man braucht Geduld, gute Augen und eine sehr ruhige Hand. Und auch dann klappt es längst nicht immer beim ersten Versuch.

Wozu braucht es beim Drahterodieren ein Startloch?
Ein Startloch braucht es immer dann, wenn eine Innenkontur entstehen soll. Ein Beispiel: Für die Innenkontur eines Zahnrads will man das Zahnrad ja nicht von aussen aufschneiden. Also wird zuerst ein kleines Startloch eingebracht, der Draht hindurchgefädelt und von dort aus die gewünschte Kontur präzise herausgearbeitet.
Nach dieser Übung war allen klar, wie viel Fingerspitzengefühl schon ein einzelner, kleiner Arbeitsschritt verlangt.

Viele Branchen, eine gemeinsame Neugier

Besonders gefreut hat uns, wie bunt gemischt unsere Gäste waren: Handwerker aus dem Bau- und Schreinergewerbe, Banker, psychosoziale Beraterinnen und Berater, Weinbauern, Gastronomen, Maler und viele mehr.

Die meisten hatten mit Mikromechanik bisher wenig zu tun. Umso mehr Spass hat es gemacht, unsere Arbeit greifbar zu machen, Fragen zu beantworten und über Branchengrenzen hinweg ins Gespräch zu kommen.

Genau dafür ist ein Gewerbeapéro da: Man lernt Leute aus der Region kennen, entdeckt Gemeinsamkeiten und bekommt Einblick in Berufe, mit denen man sonst kaum in Berührung kommt.

Ausklang mit Essen und Wein aus der Region

Und natürlich kam auch das Gesellige nicht zu kurz. Für das feine Essen sorgte der Bedabeck, für die Weine unsere Mitglieder aus dem Gewerbeverein.
Ein herzliches Dankeschön an das Weingut Besson-Strasser, die 8247 Weinbau AG und das Weingut Lindentröpfli für die feinen Weine und den genussvollen Abschluss.

Danke für einen tollen Abend

Wir blicken zurück auf einen Abend mit vielen neugierigen Gesichtern, guten Fragen und angeregten Gesprächen. Es hat uns grosse Freude gemacht, unsere Begeisterung für Mikromechanik und Präzision mit Menschen aus so unterschiedlichen Branchen zu teilen.

Ein grosses Dankeschön an Pascal und den Gewerbeverein Cholfirst für die Gelegenheit, unsere Türen zu öffnen, und an alle Gäste für ihr Interesse und den offenen Austausch.

Wir freuen uns darauf, auch in Zukunft zeigen zu dürfen, was im Kleinen alles möglich ist.

Euer Retero-Team

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